Manfred Höll, Thomas Steinhilper, St. Stapper, Katja Mast, Peter Bofinger, Sigunge u. Gaby Wieland, Hans Vester (v.l.)In einer mehr als einstündigen Rede bringt der aus Pforzheim stammende Wirtschaftswissenschaftler Bofinger viele kluge Gedanken zu Gehör. Und zwar auf eine Weise, die – wie hinterher vielfach bestätigt wird – jeder versteht. „Man darf nicht gleich bei jedem Schnupfen mit Antibiotika kommen, aber wenn die Selbstheilungskräfte des Wirtschaftssystems versagen, muss Penicillin her“, so Bofinger
Das sind Vergleiche, die sitzen und so kapiert sogar die letzte Reihe im überfüllten Reuchlinhaus, weshalb die Bundesregierung gut daran getan hat, das Finanzsystem zu stabilisieren. Und zwischendurch beweist der in Würzburg lehrende Wirtschaftswissenschaftler auch Humor: „Bei der Verschrottungsprämie ist der Hauptgegner mein neun Jahre alter Saab. Ich hab’ dann gesagt nein, wir bleiben zusammen.“
Sympathien erwirbt sich Bofinger natürlich auch mit Sätzen wie „Lohnsenkungen wären fatal“ oder „wir sollten grundsätzlich mehr in diesem Land investieren, vor allem in die Bildung unserer Kinder“.
Heuschreckensteuer und internationale Schufa für Banken
Überhaupt ist Bofinger ganz offensichtlich einer, der lieber Geld ausgibt als spart. Höhere Staatsverschuldung? Aber ja doch, 25 bis 30 Milliarden Defizit pro Jahr wären für ihn kein Problem. Denn was lehrt uns laut Bofinger die jüngste Vergangenheit? „Weil wir so viel gespart haben, ist das Geld bei Jim und seinen Freunden in den USA gelandet.“ Um Spekulanten abzuschrecken, fordert er die Einführung einer „Heuschrecken-Steuer“ (eine zehnprozentige Abgabe bei Unternehmenskäufen, die nach zehn Jahren vom Staat zurückgezahlt wird) und um den Kreditverkehr transparenter zu machen, soll eine Art internationaler „Schufa für Banken“ her. Die Schufa ist, wie man weiß, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung.
Bofinger ist überzeugt, „dass die Globalisierung Wohlstand für alle bringt“. Aber er nimmt auch alle in die Pflicht. Der Staat müsse „den Mut haben, den Markt in die Schranken zu weisen“. Und die Bürger müssten sich wieder stärker mit ihrem Staat identifizieren.
Beim anschließenden Umtrunk gab es für die anwesenden Straubenhardter noch ausreichend Gelegenheit zum Gespräch mit dem prominenten Gastredner.